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Karlsruhe: Stadtteile

Geschichte von Hohenwettersbach

Hohenwettersbacher Schloss

Hohenwettersbacher Schloss


 
Urkundlich wurde Hohen­wet­ters­bach 1262 erstmals unter dem Namen "Durren­we­ter­spach" erwähnt, da wohl durch die geogra­fi­sche Lage immer Wasser­man­gel herrschte.

Von 1250 - 1280 gehörte Dürren­wet­ters­bach den Grafen von Eberstein und den Grafen von Zweibrücken.

1535 fiel der Ort durch die Teilung Badens an Baden-Durlach. 1568 existier­ten 32 Hofstätten, und 1648, am Ende des dreißig­jäh­ri­gen Krieges, lebten nur noch wenige Einwohner in Dürren­wet­ters­bach.

Im Jahr 1706 kaufte Markgraf Karl Wilhelm die Ortschaft und benannte sie in Hohen­wet­ters­bach um. Er ließ im heutigen Lustgarten ein Lustsch­löss­chen errichten. Das Hofgut Hohen­wet­ters­bach übertrug Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach 1725 seiner aus einer morga­na­ti­schen Verbindung stammenden Tochter Karoline von Wangen anlässlich ihrer Eheschlie­ßung mit Wilhelm Friedrich Schilling von Canstatt. 1740 wurde das erste Schulhaus, 1742 die evange­li­sche Kirche erbaut.
Um 1760 beschäf­tig­ten die Gutsherren zum Schlossbau und für den landwirt­schaft­li­chen Betrieb Arbeiter und Tagelöhner, die sich auf herrschaft­li­chem Boden ansiedeln durften, aber zeitlebens von ihrer Herrschaft abhängig waren und vielfach in bitterer Armut leben mussten.

Erst 1864 - die Revolution hatte den Freiheits­wil­len der Hohen­wet­ters­ba­cher gestärkt - konnte eine selbst­stän­dige Gemeinde Hohen­wet­ters­bach gegründet werden. Der neue Ort zählte rund 650 Einwoh­ne­rin­nen und Einwohner.

1931 wurden die seit 1864 getrennten Gemar­kun­gen des Hofgutes und des Ortes vereinigt.
 

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Hohenwettersbach und die Familie Schilling von Canstatt

Fast 300 Jahre hat die Familie Schilling von Canstatt die Geschicke in Hohen­wet­ters­bach zuerst bestimmt und geprägt und später maßgebend beein­flusst. Das liegt vor allem darin begründet, dass ab dem Jahr 1725 die gesamte Gemarkung, später der größte Teil der Gemarkung im Besitz der Familie war. Das ist auch heute noch der Fall. Unsere Geschich­te führt uns von der Leibei­gen­schaft bis hin zur selbstän­di­gen Gemeinde.

Wer auf seinem Spazier­gang am Rande der Gemarkung auf einen alten Grenzstein trifft, findet dort auf der Hohen­wet­ters­ba­cher Seite immer eine Kanne, das Wappen der Schilling von Canstatt. Die Familie selbst entstammt dem schwä­bi­schen Uradel. Der älteste bekannte Wohnsitz der Familie ist die Altenburg in Cannstadt. Erstmals erwähnt wurde der Name im Jahr 1260. In der Famili­en­chro­nik sind mehr als 300 Häupter aufgeführt. Viele davon waren hohe Offiziere oder dienten unter verschie­de­nen Fürsten in höchsten Ämtern. Aus der Familie gingen viele berühmte Persön­lich­kei­ten hervor.
Beginnen wir mit Ludwig Friedrich Schilling von Canstatt. Dieser hatte schon unter dem Oberbefehl von Markgraf Ludwig-Wilhelm, dem badischen Türken­louis, bei Budapest gegen die Türken gekämpft. Er sollte 1689 im pfälzi­scher Erbfol­ge­krieg die badische Residenz Durlach als General­ma­jor gegen die Franzosen vertei­di­gen. Seine Offiziere und die Herren der Zivil­ver­wal­tung hielten die Lage für aussichts­los. Sie wollten die Stadt gegen seinen Willen mit der Bitte um Schonung an die Franzosen übergeben. So geschah es dann auch, nach einigem Hin und Her. Die Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht. Die Bürger mussten am nächsten Tag die Stadt verlassen. Sie konnten auf ihrem Weg nach Langen­stein­bach von den Höhen bei Hohen­wet­ters­bach zusehen, wie ihre Stadt und das wunder­schöne Renaissance­schloss bis auf fünf Häuser nieder­ge­brannt wurde. Schilling von Canstatt kam für drei Jahre in Gefan­gen­schaft. Er musste sich danach wegen der Übergabe der Stadt vor Gericht verant­wor­ten, wobei er in allen Belangen freige­spro­chen wurde.

Sein Sohn Wilhelm Friedrich war schon in jungen Jahren im Dienst des Markgrafen und mit Markgraf Carl Wilhelm, dem späteren Stadt­grün­der, befreundet. Später wurde er Obervogt und Obermar­schall. Der Markgraf gab ihm 1725 seine Tochter Caroline zur Frau. Diese war seit ihrem ersten Lebens­jahr durch ein Kunkel­le­hen im Besitz des Hofes und der Gemarkung Hohen­wet­ters­bach. Durch einen anlässlich der Hochzeit ausge­stell­ten Ehepakt kam die Familie Schilling von Canstatt in den Besitz von Hohen­wet­ters­bach. Mit der Landwirt­schaft hatte Wilhelm Friedrich sicher wenig zu tun, er war in Staats­ge­schäf­ten tätig. Gewohnt hat die Familie größten­teils im Haus seiner Frau Caroline, im heutigen Amthaus in Durlach. Eine kleine Säule auf dem Famili­en­grab der Schilling von Canstatt erinnert an den ersten dieses Namens in Hohen­wet­ters­bach. Er starb 1743 und wurde zunächst neben dem Markgrafen unter dem Altar der Karls­ru­her Konkor­dien­kir­che, heute Marktplatz, begraben. Sein Sohn Karl Friedrich schlug zunächst die Offiziers­lauf­bahn ein und kämpfte unter anderem in Sachsen gegen Friedrich den Großen. Er war schwä­bi­scher Kreis­haupt­mann und badischer Kammerherr. Danach beschäf­tig­te er sich mit seinem 1075 Morgen (ca. 415 ha) großen Gut. Von 1758 bis 1760 erbaute er das in Hohen­wet­ters­bach "Schloss" genannte Herrenhaus. Er starb 1772 und fand hier, wie alle hiesigen Schilling von Canstatt, im Famili­en­grab seine letzte Ruhestätte.

Der Sohn hieß wie der Vater Karl Friedrich und war ebenfalls badischer Kammerherr, später auch Geheimrat. Er lebte und arbeitete größten­teils in Karlsruhe im großher­zog­li­chen Dienst und war wohl ein etwas unruhiger Geist. Einmal wollte er das Hofgut verkaufen, was aber nicht zustande kam. Von ihm stammt die erste Geschlechts­be­schrei­bung der Schilling von Canstatt. Für den Hof Hohen­wet­ters­bach verfasste er ein Gesetzbuch, außerdem die Famili­en­sta­tu­ten über die Stammgut-Verhält­nisse. Er war wohl mehr Schrift­stel­ler und hatte mit der Landwirt­schaft wenig im Sinn.

Sein Sohn Heinrich übernahm 1818 das Hofgut. Vorher hatte er 18-jährig am Befrei­ungs­krieg gegen die Franzosen teilge­nom­men und wurde zum Hauptmann befördert. Im Jahr 1833 wurde das Hofgut zur Kolonie erklärt und ein Stabhal­ter bestellt. Die auf dem Hof lebenden 110 Familien waren damit heimat­be­rech­tigt. Hohen­wet­ters­bach hatte nun eine eigene Gemarkung, die aber zum aller­größ­ten Teil dem Grund­herrn gehörte. Von einer selbstän­di­gen Gemeinde war man jedoch noch weit entfernt. In die Zeit von Heinrich Schilling von Canstatt fielen die unruhigen Revolu­ti­ons­jahre 1848/49 und die erste badische Republik. In den unruhigen Zeiten hielt er sich im Ausland auf. Er starb 1856 nach einem Schlag­an­fall.

Im Jahr 1856 folgte auf Heinrich Schilling von Canstatt dessen Sohn Wilhelm Friedrich. Im Gegensatz zu seinem Vater blieb er auch während der Wirren der Revolu­ti­ons­jahre in Hohen­wet­ters­bach und half seinem Onkel bei der Bewirt­schaf­tung des Hofguts.

Die Not war groß in Hohen­wet­ters­bach. Der Hof konnte die zahlreich gewordene Bevöl­ke­rung nicht mehr ernähren und so kam es zu ständigem Streit mit den Gutsherren. In dieser Situation waren, teilweise unter Druck, 583 Kolonis­ten bereit, nach Amerika auszu­wan­dern, 67 Kolonisten wollte man umsiedeln. Wilhelm Friedrich sah ein, dass es so nicht weiter gehen konnte. Er bot an, zwei Fünftel der Kosten für die Überfahrt nach Amerika zu bezahlen. Die Stadt Durlach lehnte jedoch ab, ihren Anteil an den Kosten zu übernehmen. Darauf verwei­ger­ten auch die Agnaten der Familie Schilling von Canstatt ihre Zustimmung. So blieb es bei den katastro­pha­len Verhält­nis­sen. Als Ausweg versuchte man, das Wachstum der Bevöl­ke­rung einzu­däm­men. Wer heiraten wollte, musste 25 Jahre alt sein, eine eigene Wohnung haben sowie 500 Gulden besitzen und einen sicheren Erwerb nachweisen. Wer aber hatte das schon? Die Folge waren wilde Ehen und mehr uneheliche Kinder.

Die Gründung einer selbstän­di­gen Gemeinde sollte Abhilfe schaffen. Wilhelm Friedrich war bereit, dafür rund 300 Morgen Land zu verkaufen. Die Stadt Durlach sollte ca. 200 Morgen abgeben, weigerte sich aber und wurde letztlich dazu gezwungen. Am 8. Juni 1861 kam es nach jahrzehn­te­lan­gem Hin und Her zu einer Überein­kunft zwischen dem Grundherrn Wilhelm Friedrich und dem Stabhalter Kraut. Am 1. Oktober 1864 wurde Hohen­wet­ters­bach selbstän­dige Gemeinde. Durch Kauf von Grund­stücken, meist über Kredit oder Anpachtung von Acker­flä­chen, konnte die Bevöl­ke­rung nun selbst für ihre Ernährung sorgen. Arbeit gab es auch in den zahlrei­chen Stein­brü­chen und zunehmend in der Industrie. Viele Frauen arbeiteten in der Spinnerei in Ettlingen, die Männer bei Gritzner und anderen Betrieben in Durlach. Die Arbeit war demnach täglich mit einigen Stunden Fußmarsch verbunden.

Wilhelm Friedrich Schilling von Canstatt wird mit Recht "Vater der Gemeinde" genannt, denn er war es, der dem Entstehen der Gemeinde zum Durchbruch verhalf. Spital- und Linden­straße sowie die unmit­tel­bare Umgebung zum Gutshof blieben als Hofgut­ge­mar­kung mit einem Stabhalter noch bis 1931 erhalten. Der letzte männliche Nachkomme der Familie war Viktor Schilling von Canstatt. Er hatte vier Töchter und hätte doch so gerne einen Sohn gehabt. Nach einem landwirt­schaft­li­chen Studium in Hockenheim übernahm er 1888 das Hofgut, das er zugleich auf die Erfor­der­nisse der Zeit ausrich­tete. Als Rittmeis­ter kämpfte er im Ersten Weltkrieg und wurde danach badischer Kammerherr. Hervor­zu­he­ben ist sein soziales Engagement zum Wohle der Gemeinde. In seiner Art war er eher bescheiden. In meiner Erinnerung sehe ich ihn noch, wie er während und nach dem Krieg in Schaft­s­tie­feln hinter seiner Kutsche herging, wenn er sein Büro in Durlach in der Baden­er­straße besuchte. Gestorben ist er am 1. März 1958.

Bleibt als letzte der Familie Frau Ilona von Maffei geborene Schilling von Canstatt. Sie übernahm 1962 zusammen mit ihrem Mann, Hubert Ritter und Edler von Maffei, den Gutsbe­trieb. Herr von Maffei gelang es in kürzester Zeit, den landwirt­schaft­li­chen Betrieb auf den modernsten Stand zu bringen. Es wurden alle Gebäude saniert und renoviert, was bis heute sichtbar ist. Ein neuer Maschi­nen­park ermög­lichte eine ratio­nel­le Wirtschafts­weise. Herr von Maffei war begeis­te­ter Landwirt und Weinbauer. Zeitweise standen in Hohen­wet­ters­bach über 40 Hektar Weinreben. Die Familie von Maffei hat durch Landabgabe sehr viel zur Weiter­ent­wick­lung der Gemeinde beige­tra­gen. Sie hatte stets ein offenes Ohr für die Belange der Gemeinde und half mit Herz und Hand. Nach dem Tod des Herrn von Maffei führte Frau Ilona von Maffei die Geschäfte des Gutsbe­trie­bes allein weiter. Herr Stech, der Verfasser des Hohen­wet­ters­ba­cher Heimat­buchs, nennt sie treffend "Baronin mit Herz und Sinn".

Zwischen­zeit­lich sind die Felder verpachtet. Es ist jedoch erfreulich, dass der Gutsbe­trieb nun wieder unter dem Namen "Schilling von Canstatt Erben" geführt wird. So bleibt der verdienst­volle Name in der Erinnerung erhalten.

R. G.