Karlsruhe: Friedhöfe
Jüdische Friedhöfe
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"Gestörte Totenruhe..."
Die Geschichte und Entwicklung der jüdischen Friedhöfe in Karlsruhe entspricht weitgehend jener der christlichen Anlagen, da sie eng mit der Ausdehnung und Gestaltung der Stadt verbunden sind.Schon kurz nach der Stadtgründung zogen Juden nach Karlsruhe. Der Privilegienbrief des Stadtgründers, Markgraf Karl Wilhelm, garantierte ihnen neben Schutz- und Bürgerrechten auch die Religionsfreiheit.
Bereits 1723 wurde außerhalb der Stadttore, südlich des Landgrabens beim Rüppurrer Tor, in der Nähe des heutigen Mendelssohnplatzes, der erste jüdische Friedhof angelegt. Gegen ein entsprechendes Sterbegeld konnten dort nicht nur die Juden Karlsruhes, sondern auch die des Umlandes bestattet werden. Die neu gegründete Residenz nahm einen schnellen Aufschwung mit einer rasch wachsenden Bevölkerungszahl. Durch die damit einhergehende stetig anwachsende Zahl jüdischer Bürger war der jüdische Friedhof bereits nach wenigen Jahrzehnten zu klein geworden. Bis ins Jahr 1794 wurde der Friedhof mehrmals erweitert. Die jüdische Gemeinde erwarb hierfür auch ein benachbartes Areal, das bislang von den Bewohnern des "Dörfle" und von Soldaten als Kegelplatz genutzt wurde.
Verlegung neben den Christengottesacker
Die fortschreitende Stadtentwicklung in südlicher Richtung setzte einer weiteren Vergrößerung des jüdischen Friedhofs spätestens ab 1804 eine Grenze. Jedoch konnte die jüdische Gemeinde, die zum Zweck des Straßenbaus, insbesondere der Kriegsstraße, Gelände abtreten sollte, eine endgültige Schließung des Friedhofs bis 1825 immer wieder verhindern. In diesem Jahr wurde der Gemeinde ein Ersatzgelände in der Nähe des christlichen Friedhofs, östlich des "Lohfeldes", der heutigen östlichen Kriegsstraße, zugewiesen, auf dem 1826 der neue jüdische Friedhof entstand.1897 musste der alte jüdische Begräbnisplatz auf Erlass des Großherzogs und des badischen Innenministeriums zur Durchführung geplanter Bauvorhaben im Rahmen der Stadterweiterung endgültig aufgelöst werden. Die jüdische Gemeinde konnte dies, trotz vehementer Hinweise auf das fundamentale jüdische Gebot der Unantastbarkeit der Totenruhe, nicht mehr verhindern. 1897/1898 wurde der erste jüdische Friedhof aufgelöst und mit Zustimmung der Rabbiner die Exhumierung und Umbettung der Gebeine vorgenommen. Die sterblichen Überreste von 904 ursprünglich auf dem alten jüdischen Friedhof Bestatteten wurden auf den Friedhof an der Kriegsstraße überführt, zwanzig weitere auf den 1872 eröffneten jüdisch orthodoxen Friedhof beim Rintheimer Feld, heute Haid-und-Neu-Straße.
Auch die Fläche des zweiten jüdischen Friedhofes, an der östlichen Kriegsstraße, konnte mit der wachsen jüdischen Gemeinde nicht lang Schritt halten. Nach 70 Jahren wurde auch er 1896 geschlossen. Allerdings fanden hier in einzelnen Familiengräbern noch 1933 und 1935 Beisetzungen statt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde, neben Teilen der Mauer und mehreren Grabsteinen, auch die Kapelle der Anlage zerstört. Die mit einer hohen Mauer eingefasste Friedhofsanlage, wurde aufgrund ihrer kultur- und stadthistorischen Bedeutung in den 90er Jahre aufwendig saniert und gesichert. Besichtigungen sind nur in Ausnahmefällen, mit Genehmigung der Jüdischen Gemeinde Karlsruhe oder des Friedhofs- und Bestattungsamtes der Stadt Karlsruhe, möglich.
"Fasse unsere Tränen in deinen Krug"
Die jüdisch orthodoxe Gemeinde ("Israelitische Religionsgemeinschaft") hatte bereits 1872, noch währende der Planungsphase des Hauptfriedhofes an der Haid-und-Neu-Straße, ein benachbartes Gelände auf der Rintheimer Gemarkung für die Anlage eines jüdisch orthodoxen Friedhof erworben. Die ersten Bestattungen der jüdisch orthodoxen Gemeinde fanden auf diesem mit einer Mauer eingefassten Friedhof 1873 statt. In unmittelbarer Nachbarschaft, östlich dieses Friedhofs, wurde 1897 ein eigener Friedhof der jüdisch liberalen Gemeinde ("Israelitische Gemeinde") eingeweiht. Die gemeinsame Leichen- und Predigthalle wurde bereits 1895 fertig gestellt. Bis heute gibt es diese beiden östlich neben dem Haupteingang des Hauptfriedhofes liegenden jüdischen Friedhöfe. Nach 1945 fanden auf dem jüdisch orthodoxen Friedhof jedoch nur noch vereinzelt Beisetzungen statt. Im Gegensatz zum allgemeinen jüdischen Friedhof, ist der jüdisch orthodoxe grundsätzlich öffentlich nicht zugänglich.Auf dem allgemeinen jüdischen Friedhof befinden sich die Grabmale vieler bekannter jüdischer Karlsruher Mitbürger, die bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten in Karlruhe in kultureller, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht großes Ansehen genossen.
Westlich der jüdischen Friedhofskapelle befindet sich das Grab von Otto Nachmann (1893-1961; linker Hauptweg), Präsident des Oberrates der Israeliten Badens von 1945 bis 1961 sowie das Grab seines Sohnes Werner Nachmann (1925-1988; linker Hauptweg), bis zu seinem Tode Präsident des Oberrates der Israeliten Badens, Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland und Vizepräsident der europäischen Sektion des Jüdischen Weltkongresses.
Bis in die Zeit des 30jährigen Krieges hatte auch die alte Residenz Durlach einen jüdischen Friedhof, der nach seiner Zerstörung aber nicht mehr erneuert wurde. Die Durlacher Juden bestatteten, wie zahlreiche andere Gemeinden der Region, ihre Verstorbenen auf dem großen jüdischen Friedhof in Obergrombach. So auch bis 1905 die kleine jüdische Gemeinde von Grötzingen. Zu jener Zeit erschloss man ein eigenes, 108 Quadratmeter großes, Gelände außerhalb des Dorfes, im heutigen Wohngebiet "Am Liepoldsacker". Bis 1935 fanden auf diesem kleinen, heute noch bestehenden jüdischen Friedhof Beisetzungen statt.


