Karlsruhe: Besondere Personengruppen
Demenz
In Deutschland leben gegenwärtig (2008) ca. 1,1 Milionen Demenzkranke. Diese Zahl wird infolge der weiter steigenden Alterung der Bevölkerung kontinuierlich zunehmen und sich bis zum Jahr 2050 auf geschätzte 2,6 Millionen erhöhen.
Medizinisch versteht man unter Demenz eine fortschreitende Erkrankung bzw. einen Abbauprozess des Gehirns. Die wörtliche Übersetzung aus dem Lateinischen lautet "ohne Geist sein" und verdeutlicht noch einmal, was mit dem betroffenen Menschen passiert: Er verliert die Kontrolle über sein Denken und damit über sich selbst. Der Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit mit Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit, räumliche und zeitliche Orientierungsschwierigkeiten stehen am Anfang. Im Verlauf der Erkrankung verschwinden auch bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses, so dass der betroffene Mensch zunehmend die während seines Lebens erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten verliert. Es kann auch zu Veränderungen von Wesenseigenschaften kommen.
Demenzerkrankungen können viele verschiedene Ursachen haben. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen primären und sekundären Formen der Demenz. Die sekundären Formen sind Folgeerscheinungen anderer Grunderkrankungen, z. B. chronische Vergiftungen durch zu wenig Flüssigkeit, durch Medikamente oder Alkohol.
Die primären Demenzerkrankungen sind bisher leider nicht heilbar, aber behandelbar. Dadurch können Symptome gelindert und die Lebensqualität des Betroffenen und seiner Angehörigen erhalten oder zumindest gestützt werden. Die Demenztherapie hat unterschiedliche Ansätze. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die medikamentöse Behandlung, die Aktivierung und Erhaltung der Beweglichkeit und die vielfältigen psychosozialen Maßnahmen.
Die genaue Diagnose ist Voraussetzung für die richtige medikamentöse Einstellung und sollte durch einen gerontologisch geschulten Arzt erfolgen.
Demenzerkrankungen sind immer auch Kommunikationsstörungen. Neben der medikamentösen Therapie sind die psychosozialen und verhaltenstherapeutischen Behandlungsansätze ausschlaggebend, wenn das Miteinander zwischen dem Demenzkranken und seinen Angehörigen / Pflegenden gelingen soll. Diese Maßnahmen dienen der Förderung der persönlichen Ressourcen und Identität des Erkrankten, beeinflussen den Krankheitsverlauf positiv und erhalten und fördern die Lebensqualität des Demenzkranken und seines Umfeldes. Die Kranken sind wegen ihrer Demenz immer weniger in der Lage, sich ihrer Umgebung anzupassen und ihren Alltag bewusst zu gestalten. Ihr Wohlbefinden ist in großem Maße davon abhängig, wie sich ihre Umgebung auf ihre Beeinträchtigungen einstellt.
Grundsätzlich muss im Umgang mit demenzkranken Menschen ihre veränderte Weltsicht wertgeschätzt und ihre Würde geschützt werden!
Die Pflege eines Demenzkranken kann Angehörige schnell überfordern. Um vorzubeugen ist zu empfehlen, bereits frühzeitig die vielfältigen Angebote zur Unterstützung und Entlastung zu nutzen. Hilfreich ist nach der gesicherten Diagnose die fachliche Beratung, damit alle notwendigen Schritte besprochen können und das zukünftige persönliche Leben aktiv gestaltet werden kann.
(Text mit freundlicher Genehmigung der Fachstelle für demenzkranke Menschen und ihre Angehörigen, Diakonisches Werk Karlsruhe - Stand 01/09 )
Auf den Unterseiten finden Sie eine Übersicht über die in Karlsruhe vorhandenen Beratungsstellen und Unterstützungsangebote, Hilfen zu Hause, Gesprächsgruppen für pflegende Angehörige und Kurse über Entlastungsangebote durch Betreuungsgruppen und Tagespflegen bis hin zu Pflegeheimen mit besonderen Wohnbereichen.
Alle Unterstützungsangebote kosten Geld. Zur Finanzierung lassen Sie sich von den Beratungsstellen und Ihrer Pflegekasse beraten.
Durch das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz wurde ein zusätzlicher Anspruch für Menschen geschaffen, die aufgrund einer demenziellen, psychischen oder geistigen Erkrankung einen zusätzlichen erheblichen Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung haben. Der Betreuungsbetrag beträgt je nach Umfang des Betreuungsbedarfs 100 Euro (Grundbetrag) oder 200 Euro (erhöhter Betrag) monatlich. Zu Hause gepflegte Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz erhalten diesen Betrag auch, wenn sie bereits einen Hilfebedarf in der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung haben, aber noch nicht als pflegebedürftig im Sinne des SGB XI gelten (Pflegestufe 0). Der Betrag wird nur nach Vorlage von Rechnungen der tatsächlich entstandenen Betreuungskosten gewährt. Das Geld soll Pflegepersonen zusätzliche Entlastung und Pflegebedürftigen aktivierende Betreuung ermöglichen, z. B. durch Tages- oder Nachtpflege, Kurzzeitpflege, sowie niedrigschwellige Betreuungsangebote (siehe weiterführende Infromationen). Wenn die Summe nicht vollständig in Anspruch genommen wurde, kann der restliche Betrag in das folgende Kalenderjahr übertragen werden.
Alle Angaben, die auf den Unterseiten über Angebote und Anbieter gemacht werden, sind ohne Gewähr.
Dies können mögliche Warnsignale für Demenz sein:
- das Kurzzeitgedächtnis lässt nach
- gewohnte Tätigkeiten auszuführen, bereitet zusehends Schwierigkeiten
- oder hartnäckiges Abstreiten von Fehlern, Verwechslungen
- es treten unerklärliche Stimmungsschwankungen auf, andauernde Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Misstrauen
- der Überblick über die Finanzen geht verloren
- Gefahren werden falsch eingeschätzt
- es treten Sprachstörungen auf
- das Interesse an Arbeit, Hobbys oder Kontakten lässt nach
- sich in einer fremden Umgebung zurechtzufinden fällt immer schwerer
Weiterführende Informationen
Niedrigschwellige Betreuungsangebote
Tipps und Broschüren zum Umgang mit Demenz-Kranken
Wegweiser Demenz des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V.
Alzheimer erkennen Informationen zu Alzheimer und Broschüre zum Bestellen (Herausgegeben von der Deutschen Seniorenliga e. V.)
Fotos: 1.+2. Bild SJB-ÖA Zimmermann
