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Karlsruhe: Leben und Arbeiten

Innerfamiliäre Tötungsdelikte

Abschluss­ta­gung
Quali­täts­ent­wick­lungs­werk­statt

"Inner­fa­mi­li­äre Tötungs­de­likte im Zusam­men­hang mit Be­zie­hungs­kon­flik­ten, Trennung bezie­hungs­wei­se ­Schei­dung - Konse­quen­zen für die Jugend­hil­fe"

Regel­mä­ßig berichten Medien über Tötungs­de­likte als sogenann­te "Fa­mi­lien-, oder Bezie­hungs­dra­men". Als Auslöser werden meist Ei­fer­sucht, Trennung oder Scheidung genannt. Bisher existier­te in Deutsch­land keine wissen­schaft­li­che Erhebung dazu, wie es den hin­ter­blie­be­nen Kindern, Jugend­li­chen und Heran­wach­sen­den geht. In einem zweijäh­ri­gen quali­ta­ti­ven Forschungs­pro­jekt hat das Karls­ru­her Jugendamt deshalb die Erfah­run­gen der jungen Menschen er­fragt, um das Tatge­sche­hen und ihre Bedürf­nisse besser zu ver­ste­hen und die Jugend­hil­fe­pra­xis sowie weitere profes­sio­nel­le Hilfs- und Unter­stüt­zungs­an­ge­bote zu verbessern. Finan­zier­t wurde das Projekt durch die Stiftung Deutsche Jugend­marke e. V. und die Stadt Karlsruhe.


Im gesamten Bundes­ge­biet wurden 14 problem­zen­trier­te ­For­schungs­in­ter­views mit 13 Erwach­se­nen und einem Jugend­li­chen ­ge­führt, die von einem inner­fa­mi­li­ären Tötungs­de­likt betrof­fen ­wa­ren. Die Taten wurden zwischen 1975 und 2008 verübt. Insofern ­spie­geln die Interviews unter­schied­li­che Phasen der gesetz­li­chen und prakti­schen Ausge­stal­tung der Jugend­hilfe sowie des Kinder- und Gewalt­schut­zes. Die Studie zeigt, wie unter­schied­lich die Aus­wir­kun­gen des Tötungs­de­likts auf Kinder, Jugend­li­che und junge Volljäh­rige sind, abhängig von ihrem Alter zum Tat­zeit­punkt, vorher­ge­hen­den Gewal­ter­fah­run­gen/­Be­las­tun­gen in der Familie, der Art des Tötungs­de­likts (an einem Eltern­teil o­der dem neuem Partner der Mutter, mit/ohne Tötung von Ge­schwis­tern bezie­hungs­weise Suizid des Täters) und den sich ­an­schlie­ßen­den Hilfen.


Die explo­ra­tive Inter­view­stu­die bestätigt die Ansätze zur Ver­bes­se­rung des Kinder­schut­zes und gibt wichtige Anregungen für die Kinder- und Jugend­hilfe und andere Insti­tu­tio­nen, für For-schung, Verwaltung und Politik. Sie weist auf die Wich­tig­keit eines eigen­stän­di­gen Beratungs­an­spruchs von Kindern und Jugend­li­chen an das Jugendamt hin: "Kinder müssen die Mög­lich­keit haben, sich in allen Angele­gen­hei­ten der Erzie­hung und Entwick­lung an das Jugendamt zu wenden und Leistungen in An­spruch zu nehmen. Dies setzt voraus, dass sie durch­ ­Ver­trau­ens­per­so­nen und profes­sio­nell Helfende in Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen und Schulen sowie durch­ Öf­fent­lich­keits­ar­beit auf ihre Rechte aufmerksam gemacht werden und sie unter­stützt werden bei der Kontakt­auf­nahme zum Ju­gend­amt." unter­streicht Frauke Zahradnik, Leiterin des städ­ti­schen Kinder­bü­ros.


In vielen der Familien, in denen es zu einem Tötungs­de­lik­t ­kommt, gibt es schon vorher deutliche Hinweise auf Gewalt und eine Isolation des späteren Gewalt­tä­ters. Aus diesem Grund ist ein weiterer Ausbau und die Weiter­ent­wick­lung männer­sen­si­bler, aufsu­chen­der Beratungs­an­ge­bote, gerade im Kontext von Trennung und Scheidung sowie häuslicher Gewalt, wichtig", so die wis­sen­schaft­li­che Mitar­bei­te­rin Alexandra Schmidt.


Die Erfah­run­gen der Inter­view­ten bestätigen die Verbes­se­run­gen im Bereich der Vormund­schaft wie die Begrenzung auf 50 Mündel pro Amtsvor­mund und die Pflicht zum regel­mä­ßi­gen persön­li­chen ­Kon­takt. "Die Regelung des Sorge­rechts nach dem inner­fa­mi­li­ären Tö­tungs­de­likt muss sorgfältig geprüft und gegebe­nen­falls eine Amts­vor­mund­schaft bestellt werden" so Susanne Heynen, ehema­li­ge Lei­te­rin des Karlsruher Jugend­am­tes.

Die Forschungs­er­geb­nisse zeigen die besonderen Anfor­de­run­gen an die Verwand­tenpfl ege und den Bedarf an prozes­s­ori­en­tier­ter ­Be­ra­tung, Begleitung und Unter­stüt­zung der Kinder und Ju­gend­li­chen sowie ihrer Angehö­ri­gen über einen länge­ren ­Zeit­raum. "Die hinter­blie­be­nen Kinder, Jugend­li­chen und jungen Voll­jäh­ri­gen sowie deren Familien leiden häufi g jahrelang unter dem Erlebten. Sie benötigen profes­sio­nelle, idealer­wei­se auf­su­chende Hilfs- und Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen" bestä­tig­t A­lex­an­dra Schmidt.

Die knapp 200 Teilneh­men­den der Abschluss­ta­gung wurden von Bür­ger­meis­ter Dr. Martin Lenz und Profes­so­rin Dr. Corne­lia Helf­fe­rich begrüßt. Dr. Susanne Heynen und Dr. Frauke Zahrad­nik ­führ­ten in die Thematik sowie in die Möglich­kei­ten und Grenzen ­der Praxis­for­schung ein, bevor von Alexandra Schmidt die zen­tra­len Ergebnisse vorge­stellt wurden. In sieben Foren, angeboten von Karlsruher und bundes­wei­ten Fachleuten, wurden die sich aus der Forschung ergebenen Themen vertieft. Diese sind (­siehe auch den Flyer in der Anlage):

  • Gefähr­dungs­ana­lyse, Risiko­ma­na­ge­ment und Gewalt­schutz in der Po­li­z­ar­beit und Beratung nach häuslicher Gewalt
  • Inobhut­nahme und Hilfe­pla­nung durch den Sozialen Dienst
  • Sorge- und Umgangs­recht, Vormund­schaft, finanzi­el­le
  • Hilfen etwa durch das Opfer-Entschä­di­gungs­ge­setz Hilfe zur Er­zie­hung insbe­son­dere in Form der Vollzeit- und Verwand­ten­pfl ege und Hilfen für junge Volljäh­ri­ge
  • Öffent­lich­keit der Tat/Umgang mit den Medien, Isolation und Stig­ma­ti­sie­rung der betrof­fe­nen Kinder, Jugend­li­chen und jungen Voll­jäh­ri­gen
  • Bindung und Beziehung in der Pflege-/Familie, zu Ge­schwis­tern, Opfer und Täter bezie­hungs­weise Täterin
  • Unter­stüt­zung im Rahmen der Notfall­psy­cho­lo­gie und Trau­ma­päd­ago­gik
  • Jugend­hil­fe­pla­nung und Quali­täts­ent­wick­lung im Kinder­schutz
 

Exposé Forschungsprojekt

 

Pressestimmen zu der Veranstaltung

 

Mitschnitt der Abschlusstagung Qualitäts-entwicklungswerkstatt

 

Dieses Forschungs­pro­jekt wurde unter­stützt von der Stiftung ­Deut­sche Jugend­marke e. V.

Stiftung Deutsche Jugendmarke e. V.


www.jugendmarke.de

 

Innerfamiliere Tötungsdelikte


Bild: Frauenhaus SkF Karlsruhe