Karlsruhe: Natur- und Umweltschutz
Boden
Allgemeines
Böden sind die unentbehrliche Lebensgrundlage für Menschen, Tiere, Pflanzen und Bodenorganismen. Sie sind im Laufe der Erdgeschichte in unterschiedlichster Vielfalt entstanden und bilden ein komplexes System aus mineralischen und organischen Substanzen und Bodenorganismen. Böden stehen in unmittelbarer Wechselwirkung mit dem Klima und dem Grundwasser und nehmen im Naturkörper vielfältige Funktionen wahr.
Bodenfunktionen
Im Gesetz zum Schutz des Bodens vom 17.03.1998
(Bundes-Bodenschutzgesetz - BBodSchG) werden
natürliche Bodenfunktionen, Archivfunktionen und
Nutzungsfunktionen unterschieden:
Natürliche Bodenfunktionen
- Lebensraumfunktion
Der Boden bildet die Lebensgrundlage und den Lebensraum für Menschen, Tiere, Pflanzen und Bodenorganismen.
- Bestandteil des Naturhaushalts
Zum Bestandteil des Naturhaushalts zählt der Boden insbesondere wegen seiner Bedeutung für Wasser- und Nährstoffkreisläufe. So hat der Boden unter anderem eine große Bedeutung als Ausgleichskörper im Wasserkreislauf. Wasser wird gespeichert und versickert, Oberflächenabfluss wird verzögert und Grundwasser neu gebildet.
- Abbau-, Ausgleichs- und Aufbaumedium
Der Boden filtert, puffert und wandelt Stoffe um, er verhindert oder verzögert so, dass manche Schadstoffe in das Grundwasser gelangen.
Archivfunktionen
Der Boden dokumentiert seine naturgeschichtliche (z. B. Moorböden) und die menschliche, kulturgeschichtliche Entstehung (z. B. Hohlwege).
Nutzungsfunktionen
Hierzu zählen konkrete menschliche Nutzungen des Bodens als
- Rohstofflagerstätte (z. B. Kiesgruben)
- Fläche für Siedlung und Erholung
(z. B. Wohn-/Industriegebiete, Park- und Sportanlagen)
- Standort für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung
(z. B. Acker, Weide, Nutzwald)
- Standort für sonstige Nutzungen
(Wirtschaftliche und öffentliche Nutzungen wie z. B. Verkehr, Ver- und Entsorgung)
Bodentypen im Stadtgebiet
Karlsruhe
Das
Stadtgebiet befindet sich im Oberrheingraben und im
Übergang zum Schwarzwald sowie dem Kraichgau. Für jede
der Landschaften kommen die dort typischen
Bodengesellschaften vor.
Auen/Tiefgestade
In den Niederungen kommen die Böden der Auen und Moore
vor. Es handelt sich um Sedimente des Rheins welche sich
seit der letzten Eiszeit abgelagert haben, diese sind
stark beeinflusst durch die hohen Grundwasserstände.
Es haben sich braune Auenböden (Vega) aus sandig bis
schluffigem Auelehm und Gleye sowie stellenweise
Niedermoore entwickelt.
Niederterrasse mit Kinzig-Murg-Rinne/Hochgestade
Die Niederterrasse wird größtenteils von Flugsand, Sand und Kies aufgebaut, Braunerden, Parabraunerden und podsolige Braunerden sind die wichtigsten Bodentypen. Die Standorte sind meist nährstoff- und basenarm, tief entkalkt, trocken und stark wasserdurchlässig. Im Osten (Durlach, Grötzingen, Wolfartsweier) wird die Niederterrasse von der Kinzig-Murg-Rinne durchzogen, dort findet sich eine ähnliche Bodenvergesellschaftung wie im Tiefgestade.
Vorbergzone
Im Vorhügelland sind Parabraunerden und vor allem
Pararendzinen aus Löß am weitesten verbreitet, zudem
schluffig-lehmige Kolluvien aus abgeschwemmtem, humosem
Bodenmaterial, das sich in den Hohlformen oder am
Hangfuß nach Erosionsvorgängen abgelagert hat.
Gefahren für den Boden
Wir Menschen gefährden den Boden durch unsere Nutzung in Form von Versiegelung, Erosion, Verdichtung und Schadstoffeinträge.
Die Flächeninanspruchnahme hat in den vergangenen Jahren durch Siedlung und Verkehr eine drastische Zunahme erfahren. Dadurch ist der Anteil an natürlichen Böden im Stadtgebiet Karlsruhe stark zurückgegangen. Für den Anbau von Nahrungspflanzen geht wertvoller Boden verloren und die Gefahr von Hochwasser wird vergrößert. Außerdem werden der Naturhaushalt und das Landschaftsbild zusehends beeinträchtigt, durch Verkehrswege zerschnitten und durch Lärm beeinflusst. Dies führt auch zu nachteiligen Folgen für den Artenschutz.
Weitere Beeinträchtigungen erfährt der Boden durch unsachgemäße Bewirtschaftung oder im Zuge von Baumaßnahmen, zum Beispiel durch Befahren im nassen Zustand, dadurch entstehen Verdichtungen bis in den Untergrund, die das Bodengefüge zerstören und die Bodenfunktionen nachhaltig verschlechtern.
Ziele des Bodenschutzes
Der Bodenschutz verfolgt die Zielsetzung, den Boden in seiner Natürlichkeit zu erhalten und ihn sparsam und schonend zu beanspruchen, denn Böden stellen eine endliche Ressource dar.
Bei Planungen muss deshalb ein sparsamer und haushälterischer Umgang mit dem Boden erfolgen. Es gilt Strategien zu entwickeln und umzusetzen, die den Boden nachhaltig schützen. Diese sind beispielsweise die Wiedernutzbarmachung vorhandener Gewerbebrachen, flächensparende Baumethoden und Entsiegelungspotentiale ermitteln und ausschöpfen.
Im Rahmen von Planungen die in den Boden eingreifen (Straßen, Baugebieten, Wasserschutzgebietsausweisungen, Golfplätze, Einzelvorhaben etc.) ist es Aufgabe des Bodenschutzes den Boden in seiner Eigenschaft und seiner Wertigkeit zu beurteilen, eine bodenschonende Durchführung der Baumaßnahmen und Ausgleichs- und Kompensationsmaßnahmen zu prüfen und überwachen


