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Karlsruhe: Natur- und Umweltschutz

Tiere in Not

Wildtiere

Wo Menschen leben, finden auch Wildtiere einen Lebensraum. Auch in Karlsruhe ist das zwischen­zeit­lich ein Thema, das viele Bürge­rin­nen und Bürger beschäf­tigt. Insbe­son­dere auf die Fragen, was beim Umgang mit solchen Tieren zu beachten ist oder welche Vorsor­ge­maß­nah­men jede und jeder Einzelne in seinem persön­li­chen Umfeld treffen kann, hat das Merkblatt "Wildtiere erobern die Stadt" hilfreiche Antworten. Es erläutert die recht­li­che Situation und gibt allgemeine Hinweise und prakti­sche Tipps.

Merkblatt "Wildtiere erobern die Stadt" (PDF, 204 KB)

 

Es zwitschert und fiept in den Büschen und Sträuchern in der Nachbar­schaft, und die Vogelwelt zeigt sich von ihrer besten - oder vielleicht eher produk­tivs­ten - Seite. Es ist die Zeit der Brut und der Jungtier­auf­zucht. Die erstreckt sich vom Frühling bis in den Hochsommer hinein und das nicht nur auf Grund der unter­schied­li­chen Balz- und Brutzeiten, denn viele Vogelarten brüten mehr als nur einmal im Jahr. Verwun­der­lich ist es daher nicht, dass gerade in dieser Zeit auch ein extrem häufiger Kontakt mit dem Menschen auftritt, auch durch jene Arten, die nicht zu den klassi­schen Garten­vö­geln zu zählen sind. Natürlich wird der versierte Hobby­or­ni­tho­loge das ganz Jahr über seiner Leiden­schaft frönen können, aber der Kontakt zu eben jener Jahreszeit ist schon ein ganz besonderer, denn häufig treffen die Bürger auf vermeint­lich verlas­se­ne Jungvögel. Viele zeigen sich dann ratlos über das richtige Verhalten und die daraus resul­tie­rende, zwar gut gemeinte, aber übertrie­bene Fürsorge, die dann von den meisten an den Tag gelegt wird ist häufig nicht nur Fehl am Platz, sondern unter Umständen genau das Falsche.

Der Umwelt- und Arbeits­schutz möchte daher einige Möglich­kei­ten zum richtigen Umgang mit hilfs­be­dürf­ti­gen Tieren aufzeigen und somit ein Infor­ma­ti­ons­por­tal für die Bürge­rin­nen und Bürger der Stadt Karlsruhe bieten.


Hilfe bei akuter Gefahr


Vögel

Bei Vögeln muss man zunächst eine wichtige Unter­schei­dung machen. In dem bereits gefie­der­ten Ästlings­sta­dium sind die Vögel noch nicht flügge, aber verlassen bereits gezielt das Nest, um z.B. der Enge des Nestes zu entkommen, was vor Allem bei Greif­vö­geln und Eulen der Fall ist.

Logischer­weise fallen in diesem Stadium die meisten Jungvögel ihren natür­li­chen Fress­fein­den zum Opfer. Nestlinge dagegen sind noch nackte Jungtiere, die vollkommen auf die elterliche Fürsorge und die Wärme des Nestes angewiesen sind. Findet man einen Nestling, dann sollte man ihn umgehend in das Nest zurück­set­zen, andern­falls verurteilt man ihn zum Tode. Sollte dies nicht möglich sein weil das Nest außerhalb der Reich­wei­te liegt, oder zerstört ist, dann gilt es sich an Fachmän­ner zu wenden.

Als Notfall gilt auch wenn ein Vogel verletzt, oder krank ist. Auch hier sollte man sich an die entspre­chen­den Fachleute wenden. Dies gilt auch bei Altvögeln.

Die häufigste Situation ist wohl die, dass man auf einen flugun­fä­hi­gen Jungvogel im Ästlings­sta­dium außerhalb des Nestes trifft. Der Kleine fiept nach seinen Eltern, was oft fälsch­li­cher­weise als Hilflo­sig­keit ausgelegt wird, aber dieses Verhalten ist durchaus von der Natur so vorgesehen. Diese Stand­ort­rufe, die der Jungvogel von sich gibt verraten den Eltern die Position des Nachwuch­ses, so dass sie ihn auch außerhalb des Nestes weiter versorgen können. Eine unmit­tel­bare Gefähr­dung des Vogels besteht also nur durch z.B. Katzen in der Nachbar­schaft oder Straßen­ver­kehr. Der erste Schritt zur Hilfe des Tieres besteht darin, die unmit­tel­bare Gefahr aus dem Weg zu schaffen. Das bedeutet, dass der Jungvogel in der Nähe des Fundortes in ein Gebüsch gesetzt werden sollte, wo ihn die Eltern weiter versorgen können. Der im Volksmund häufig prokla­mierte Satz, man dürfe junge Vögel nicht anfassen, da sich die Eltern­tiere auf Grund des Menschen­ge­ruchs nicht mehr heran­trauen würden, ist falsch. Die meisten Vogelarten haben keinen derart ausge­präg­ten Geruchs­sinn.

Wenn weitere Hilfe nötig ist

Ist der Nestflücht­ling keiner direkten Gefahr ausge­setzt gilt es ihn über mindestens eine Stunde zu beobachten. Kommt kein Altvogel, um ihn zu füttern, so ist er wahrschein­lich tatsäch­lich verlassen worden, oder die Eltern sind umgekommen. In diesem Fall benötigt er die Hilfe einer Fachperson, die sie umgehend infor­mie­ren sollten. Ansprech­part­ner sind:

von
Mo-Fr 8.00-16.00 Uhr
Ordnungs­amt; Lebens­mit­tel­über­wa­chung und Veteri­när­we­sen(LUV)
Tel.0721-133 7101

von
16.00- 8.00 Uhr und am Wochenende
Polizei
Tel. 110

Wenn man hilft gilt es allerdings zu bedenken, dass sich die Natur Regula­ti­ons­me­cha­nis­men ausgedacht hat, die das Überhand­neh­men einer Art verhindern. Natürlich ist es nicht leicht zu beurteilen, was nun Natur ist, und was nicht, dennoch sollte die Hilfe wohlüber­legt sein.


Besondere Vorsicht bei Fleder­mäu­sen

Auch andere Flugtiere werden in der warmen Jahreszeit häufig in mensch­li­chen Siedlungs­ge­bie­ten angetrof­fen: Fleder­mäuse. Häufig werden diese harmlosen Tiere rücksichts­los verscheucht, oder aus völlig unbegrün­de­ter Angst gar erschlagen.

Abgesehen davon, dass dies strafbar ist, ist es auch unnötig, denn Fleder­mäuse sind wie bereits erwähnt völlig harmlos bzw. erweisen sich als nützliche Insek­ten­fres­ser. Die meisten Arten sind darüber hinaus nach europäi­schem Recht streng geschützt.

Verletzte oder kranke Tiere sollten zu Fleder­maus­ex­per­ten gebracht werden. Ein Riss in der Flughaut ist jedoch anschei­nend nicht so proble­ma­tisch, da solche Wunden schnell wieder verheilen, Knochen­brü­che hingegen schon. Doch Vorsicht: Fleder­mäuse können, wie andere Tierarten auch, vereinzelt Tollwut übertragen, also gilt es Bisse zu vermeiden. Dazu empfiehlt es sich zum einen beim Anfassen Leder-Handschuhe zu tragen und zum anderen die Tiere so an den Flügeln zu umfassen, dass sie sich nicht mehr bewegen, also auch nicht beißen können.

Sofort­hilfe: Fleder­mäuse stärken

Findet man ein entkräf­te­tes Tier am Tag, dann gibt es verschie­dene einfache Möglich­kei­ten der Sofort­hilfe. Zunächst einmal sollte dem Tier Wasser zur Stärkung angeboten werden. Um der Fledermaus den Stressab­bau zu erleich­tern ist es ratsam das Tier in einem mit einem Handtuch oder ähnlichem (als Halte- und Versteck­mög­lich­keit) ausge­leg­ten Schuh­kar­ton zur Ruhe kommen zu lassen - selbst­ver­ständ­lich dürfen die Luftlöcher im Karton nicht fehlen. Am Abend sollte das Tier freige­las­sen werden. In aller Regel fliegt es dann von selbst davon. Sollte das Tier immer noch nicht wegfliegen, dann ist ein Fleder­maus­ex­per­te hinzu­zu­zie­hen. Hier helfen gerne die Koordi­na­ti­ons­stelle für Fleder­maus­schutz in Nordbaden, oder der Umwelt- und Arbeits­schutz der Stadt Karlsruhe weiter. Werden Fleder­mäuse in der Wohnung gefunden, die mögli­cher­weise durch schräg gestellte Fenster einge­flo­gen sind, dann sollte man diesen ebenfalls abends die Möglich­keit zum Ausflug geben, indem die Fenster geöffnet werden. Präventiv empfiehlt es sich Fliegen­git­ter vor den Fenstern anzubrin­gen, vor allem, wenn Fleder­maus­vor­kom­men in der Umgebung bekannt sind.

Ungeladene Gäste: Wenn Fleder­mäuse im Haus wohnen

Beim Fund einer Fleder­maus­ko­lo­nie im oder am eigenen Haus ist besondere Vorsicht walten zu lassen, denn selbst das Entfernen (auch unbewohn­ter) Quartiere ist strafbar und führt außerdem nur zum weiteren Dezimieren der Art. Es ist zudem unerläss­lich die Tiere nicht in ihrer Ruhe zu stören. Dazu zählt bereits das Betreten oder Ausleuch­ten des Quartiers. Der Umwelt- und Arbeits­schutz bittet alle Bürger/in­nen, die Fleder­maus­quar­tiere am oder im Haus haben außerdem darum, diese zu melden. Zählungen der Tiere beim allabend­li­chen Ausflug sind eine zusätz­li­che Hilfe, um die Arbeit des Umwelt­am­tes zu unter­stüt­zen. Im Falle einer geplanten Haussa­nie­rung kann ihnen an selber Stelle mit Fachleuten weiter­ge­hol­fen werden. In aller Regel kann dann eine für beide Seiten zufrie­den­stel­lende Lösung gefunden werden.

Der Fund von toten Fleder­mäu­sen kann ebenso wichtige Erkennt­nisse liefern. Deshalb wird darum gebeten, Totfunde beim Staat­li­chen Museum für Natur­kun­de Karlsruhe an Monika Braun, der dortigen Fleder­maus­ex­per­tin, mitsamt Adresse, Fundort, -datum und -umständen einzu­sen­den.

Jungtiere

Noch flugun­fä­hi­gen Jungtieren sollte am Abend die Möglich­keit gegeben werden von der Mutter abgeholt zu werden, was diese häufig macht, da sie nach ihrem Jungen sucht. Dazu empfiehlt es sich, das Tier an exponier­ter, katzen­si­che­rer Stelle in der Nähe des Fundortes zu platzieren.

Wichtig ist, dass das Junge bei Kräften und angewärmt ist, so dass es nach der Mutter rufen kann. Sollte das Tier am nächsten Morgen immer noch da sein, ist es notwendig sich an Fachleute zu wenden. Solange die Tiere nackt sind ist es klar, dass es sich um Jungtiere handelt. Behaarte Jungtiere lassen sich jedoch nur schwer von erwach­se­nen Tieren unter­schei­den. Fleder­mäuse, die am Boden sind befinden sich allerdings immer in einer Notsi­tua­tion, da dies nicht ihrem natür­li­chen Verhalten entspricht.


Hilfe für Schwarz­kit­tel und andere Waldbe­woh­ner

Immer wieder kommt es auch vor, dass klassische Waldbe­woh­ner wie Rehe, Wildschweine und derglei­chen verletzt, krank oder entkräftet aufge­fun­den werden. Hier gilt es zu beachten, dass im Falle von Tieren, die unter das Jagdrecht fallen, die Jagdbe­hörde verstän­digt werden muss.

Generell gilt bei allen gefundenen Wildtieren erst einmal die Devise "beob­ach­ten". Eine überstürzte Hilfe kann fatale Auswir­kun­gen haben. Grund­sätz­lich sind Tiere nur dann hilfs­be­dürf­tig, wenn sie krank, verletzt oder verwaist sind. Dennoch gilt es gerade bei vermeint­lich verlas­se­nen Jungtieren Vorsicht walten zu lassen, denn häufig ist es so, dass der Schein trügt. Trifft man auf wehrhafte Wildtiere (vom Schwan bis zum Wildschwein), die auch einem selbst als Helfer gefährlich werden könnten, sollte man sich zum Selbst­schutz und zum Schutz der Tiere an das Tiertaxi wenden. Die entspre­chen­den Experten haben nicht nur die Erfahrung, sondern auch die entspre­chende Ausrüstung für solche Fälle. Eigenini­tia­tive kann in so einer Situation durchaus böse enden und muss auf jeden Fall unter­las­sen werden.

Die gut gemeinte Hilfe durch den Menschen muss also wohl überlegt und mit Vorsicht erfolgen - ist Hilfe notwendig, dann sollte man sich Fachleute wenden.


Wichtige Telefon­num­mern:

für Ratschläge werktags während der Geschäfts­zei­ten:

  • Stadt Karlsruhe, Umwelt- und Arbeits­schutz: (0721) 133 3101 oder
  • Koordi­na­ti­ons­stelle für Fleder­maus­schutz Nordbaden, Frau Monika Braun (0721)175 2165