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Stadt Karlsruhe - zur Startseite

Karlsruhe: Tiefbau

Das Klärwerk Karlsruhe

Kontakt

Städti­sches Klärwerk
An der Wässerung 2
76187 Karlsruhe
Tel.: 0721 133-74 60
oder 0721 133-74 70

Zentralla­bor
An der Wässerung 2
76187 Karlsruhe
Tel.: 0721 133-7497
bis 0721 133- 7499


 
Alles landet im Klärwerk

Die Badisch Großher­zog­li­che Verwaltung hatte schon 1908 gefordert, das Schmutz­was­ser aus dem Stadt­ge­biet vor der Einleitung in den Rhein durch eine Siebanlage zu reinigen. Die im Jahre 1913 in Betrieb genommene Sieban­la­ge legte den Grundstein des Karlsruher Klärwerks.In den 30iger und 50iger Jahren wurde diese mecha­ni­sche Reini­gungs­stu­fe nach dem damals jeweils aktuellen Stand der Technik weiter ausgebaut. Mit dem wirtschaft­li­chen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg und der starken Zunahme der indus­tri­el­len Produktion gelangten so große Abwas­ser­men­gen in die Flüsse, dass deren Selbstrei­ni­gungs­kraft versagte. Die Flüsse drohten zu Kloaken zu werden. Zur Rettung der Gewässer musste das Abwasser einer biolo­gi­schen Reinigung unter­zo­gen werden.
Das Klärwerk vollzieht die – in der Natur langsam ablaufende – Selbstrei­ni­gung der Flüsse in kürzester Zeit auf engem Raum. Dabei „ernähren“ sich die in hohen Konzen­tra­tio­nen gezüch­te­ten Bakterien von den gelösten Schmutz­stof­fen und reinigen so das Abwasser. 1972 begann der Ausbau der biolo­gi­schen Reini­gungs­stufe. Sie ging 1976 in Betrieb. 1984 wurde mit vier Tropf­kör­pern eine zweite biolo­gi­sche Reini­gungs­stufe nachge­schal­tet, in der gleich­zei­tig das Abwasser nitri­fi­ziert wird.

Das Klärwerk Karlsruhe

Die gesetzlich geforderte Stick­stof­fe­li­mi­nie­rung (Deni­tri­fi­ka­tion) wird erreicht, indem der Ablauf von den Tropf­kör­pern nochmals in den Zulauf gepumpt wird. Der umfang­rei­che Umbau für diese Rezir­ku­la­tion erfolgte 1992 – 1997 mit einem Kosten­auf­wand von etwa 36 Millionen Euro. Die biologisch abbaubaren Stoffe werden im Klärwerk inzwi­schen zu 98 Prozent dem Abwasser entzogen. Im August 2002 wurden die Stick­stoff­grenz­werte für Großklär­werke erneut verschärft, was in Karlsruhe den Bau weiterer vier Nitri­fi­ka­ti­ons­tropf­kör­per bedingte, die Ende 2007 nach einer Bauzeit von 2 Jahren und einem Kosten­auf­wand von 15 Millionen Euro in Betrieb gingen. In den Ausbau der Kläranlage hat die Stadt Karlsruhe seit 1960 rund 140 Millionen Euro investiert.

Perspek­ti­ven für die Zukunft

In den siebziger und achtziger Jahren lag der Schwer­punkt in der Abwas­ser­rei­ni­gung auf einer Reduzie­rung der biologisch leicht abbaubaren Kohlen­stoff­ver­bin­dun­gen, die inzwischen zu 98 Prozent abgebaut werden. Das allge­mei­ne Ziel war, die Wassergüte der Flüsse – am Beispiel des Rheines – so zu verbessern, dass auch in Zukunft Trink­was­ser aus dem Uferfil­trat gewonnen werden kann. Inzwischen zeigt sich, dass es nicht ausreicht, bei der Abwas­ser­rei­ni­gung nur die Wassergüte der Flüsse zu beachten. Genauso wichtig ist es, langfris­tig den Zustand der Küsten­ge­wäs­ser und Meere mit zu berück­sich­ti­gen. Hier reicht die Entnahme der organi­schen Abwas­se­rin­haltss­toffe nicht aus. Es müssen auch die minera­li­schen Nährstoffe Phosphor und Stickstoff, die unsichtbar in gelöster Form im Abwasser enthalten sind, entfernt werden. In Karlsruhe wird seit 1988 eine Phosphor­fäl­lung mit Metall­sal­zen vorge­nom­men und seit 1996 ist die sog. Dritte Reini­gungs­stufe bzw. Stick­stof­fe­li­mi­na­tion in Betrieb. In der Abwas­ser­rei­ni­gungs­tech­nik können bis jetzt die schwer abbaubaren bzw. die gefähr­li­chen Stoffe wie Schwer­me­talle, organische Halogen­ver­bin­dun­gen und viele andere chemische Stoffe nur in ganz geringem Umfang eliminiert werden. Es zeigt sich, dass eine Einleitung dieser Schad­stoffe in den Abwas­ser­strom der falsche Entsor­gungs­weg ist. Sie müssen am Ort ihrer Entstehung zurück­ge­hal­ten werden. Auf längere Sicht wird es unumgäng­lich sein, die technisch-indus­tri­el­le Produktion so umzustel­len, dass nur noch solche Stoffe entstehen, die problemlos entsorgt werden können. Nur durch diese Vorsorge kann eine gefähr­li­che Anhäufung von Schad­stof­fen in der Luft, im Boden und im Wasser vermieden werden. Nur dann wird die Abwas­ser­rei­ni­gung den Kreislauf des Wassers wieder schließen und dazu beitragen, der Menschheit langfris­tig ein sauberes Wasser zu erhalten.

Für schwerer vermeid­bare Spuren­ein­lei­tun­gen wie Arznei­mit­tel­reste, Hormone oder Röntgen­kon­trast­mit­tel wird zurzeit an der Erprobung zusätz­li­cher Reini­gungs­stu­fen z. B. über Aktiv­koh­lead­sorp­tion, Ozonierung oder Mikro­fil­tra­tion gearbeitet.

Es bleibt abzuwarten, ob und wann der Gesetz­ge­ber für solche „neuen“ Schad­stoffe Grenzwerte erlässt, die dann von den Kläran­la­gen­be­trei­bern umgesetzt werden müssen.