Karlsruhe: Stadtgeschichte
Objekt des Monats Oktober bis Dezember
Meisterschaftswimpel des Karlsruher
Fußballvereins
Am 15. Mai 1910 gewann der Karlsruher Fußballverein (KFV)
in Köln mit einem 1:0 gegen Holstein Kiel die seit 1903
vom DFB ausgerichtete Deutsche Fußballmeisterschaft.
Die Mannschaft hatte diese zweite Saison unter dem
englischen Trainer William Townley mit einem Torverhältnis
von 175:40 beendet. Bis zum Ersten Weltkrieg gehörten die
Karlsruher zu den europäischen Spitzenclubs. Zwischen
1900 und 1905 wurde der KFV fünf Mal in Folge süddeutscher
Meister und in der Zeit von 1901 bis 1905 blieb man gegen
deutsche Mannschaften ungeschlagen. 1905 und 1912 waren
die Karlsruher deutscher Vizemeister.
Mit dem Gründungsdatum 17. November 1891 ist der KFV einer der ältesten Fußballvereine in Süddeutschland. Maßgeblich an der Gründung beteiligt war der Fußballpionier Walther Bensemann. Der Spross einer jüdischen Bankiersfamilie besuchte das Karlsruher Lyzeum, wo er 1889 das Fußballspiel bekannt machte. Zunächst wurde in Karlsruhe auf dem Engländerplatz an der Moltkestraße Fußball gespielt. Nach wechselvollen Anfangsjahren begann in der zweiten Hälfte der 1890er Jahre mit der Übernahme des englischen Spielsystems der Aufstieg des KFV. 1905 bekam der Verein, der seit 1904 unter dem "Protektorat" von Prinz Max von Baden stand, einen eigenen Sportplatz an der heutigen Hertzstraße. Hier konnte 1909 eine deutsche Auswahl, darunter auch der KFV-Spieler Fritz Förderer, im Spiel gegen die Schweiz mit 1:0 den ersten deutschen Ländespielsieg feiern. Bis 1913 stellte der KFV dann stets mehrere Nationalspieler. Die meisten Länderspiele bestritten Fritz Förderer, Max Breunig und Julius Hirsch. Gottfried Fuchs stellte bei den Olympischen Spielen in Stockholm 1912 im Spiel gegen Russland mit zehn Toren einen bis heute gültigen Länderspielrekord auf. Nachdem der Verein 1911 und 1912 erneut die Süddeutsche Meisterschaft errungen hatte, zeigte die Formkurve nach unten.
An seine Glanzzeit konnte der KFV auch nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr anknüpfen. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gehörte er zu den Vereinen, die gleich bereit waren, Juden auszuschließen. Betroffen davon war der ehemalige Nationalspieler Julius Hirsch, Mitglied der Meistermannschaft von 1910, einer der besten Stürmer seiner Zeit und neben Gottfried Fuchs einer von nur zwei jüdischen deutschen Nationalspielern. Hirsch kam dem Ausschluss zuvor und trat aus dem KFV aus. 1943 wurde er in Auschwitz ermordet.
Der KFV musste im Zweiten Weltkrieg um seine Existenz bangen, als sein Sportplatz durch Fliegerangriffe zerstört wurde. Nach 1945 spielte er zunächst in der neu gegründeten Oberliga, stieg aber nach einem Jahr ab. 1951 erreichte die Mannschaft das Endspiel um die deutsche Amateurfußballmeisterschaft (2:3 gegen 1860 Bremen). In dieser Mannschaft spielte auch letztmals ein Nationalspieler, der Stürmer Kurt Ehrmann. Nach dem Konkurs des Vereins und dem Abriss des Vereinsheims im Juni 2006 wurde der traditionsreiche Platz verkauft und es entstand auf einem Teil des alten Stadions das Seniorenheim "Haus Karlsruher Weg". Der KFV wurde offiziell nie aufgelöst und nahm 2007 den Spielbetrieb in der Kreisklasse C wieder auf.
Meinrad Welker M.A.

