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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Rheinhafen Karlsruhe

Becken II, um 1910

Becken II, um 1910

Der Karlsruher Rheinhafen ist einer der größten Binnen­hä­fen Europas. Seine histo­ri­schen Gebäude am Hafen­be­cken 1 stehen seit 2000 aus „wissen­schaft­li­chen, insbe­son­dere verkehrs- und techni­k­­ge­schicht­li­chen sowie aus heimat­­ge­schicht­li­chen Gründen“ als Sach­­ge­samt­heit unter Denkmal­­schutz. Hier ist der Wechsel der Baustile vom Histo­ris­mus über den Funktio­na­lis­mus bis in die heutige Zeit und damit das sukzessive Wachsen des Hafens deutlich ablesbar.

Zur Geschichte:
Durch die Eröffnung des Rhein­ha­fens vollzog sich der Wandel Karlsruhes von der provin­zi­el­len Beamten­stadt zum wichtigen Indus­trie­stand­ort im Südwesten. Bis Anfang des 19. Jahrhun­derts wurden alle schwereren Lasten für Karlsruhe, wie beispiels­weise Holz, über die Pfinz in die Stadt gebracht. Damals richtete die Bürger­schaft Karlsruhes die Bitte an Großherzog Karl Friedrich, die Stadt durch einen Kanal mit dem Rhein zu verbinden. Stadt­bau­meis­ter Friedrich Weinbren­ner und Ingenieur und Rhein­kor­rek­tor Johann Gottfried Tulla bekamen daraufhin den Auftrag, sich mit dem Projekt zu befassen. Weinbren­ner legte verschie­dene Varianten vor. Ein erster Plan von 1809 sieht ein Hafen­be­cken am Schnitt­punkt des Kanals mit der verlän­ger­ten Karlstraße vor, 1812 möchte er in einem weiteren Projekt den Hafen mit einem neuen Marktplatz vor dem Ettlinger Tor entstehen lassen. Doch diese Projekte schei­ter­ten aus Kosten­grün­den. Bei diesen Planungen hätten acht bis neun Staustufen vom Rhein bis zum Hafen umgesetzt werden müssen.

Erst 1901 konnten am heutigen Standort zwei Hafen­be­cken und ein kleines Ölbecken in Betrieb genommen werden. Die Eröffnung des Hafens war wiederum an ein anderes wichtiges Baupro­jekt gekoppelt. Erst als das städtische Elektri­zi­täts­kraft­werk im Hafen in Betrieb ging, war auch der Weg für die Schiff­fahrt offen. Das Elektri­zi­täts­kraft­werk versorgte die Hafen­an­la­ge und die Gebäude zentral mit Strom. Das war in Karlsruhe damals ein Novum. Sonst wurde Strom lokal in einer kleinen Anlage erzeugt. Diese zentrale Strom­ver­sor­gung machte den Hafen auch für produ­zie­rende Betriebe attraktiv. Dazu kam die Bahn- und Straßen­bahn­an­bin­dung zur Eröffnung des Hafens.

Der Hafen verfügte bereits zum Eröff­nungs­fest über den Dampf­schlep­per „Fide­li­tas“ sowie über ein 2PS-Boot mit 10 Sitzplät­zen für Hafen­rund­fahr­ten. Die Einweihung des Hafens wurde feierlich anlässlich des 50jährigen Regie­rungs­ju­bi­lä­ums des Großher­zogs begangen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ab 1957 wurden in Neureut die Raffi­ne­rien und der Ölhafen gebaut. Neben Esso siedelt sich auch Dea-Scholven an, die 1996 zu einem Betrieb fusio­nie­ren. Damit erreicht der Rheinhafen seine heutige Größe und steigerte seinen Umschlag auf heutiges Niveau.

Nach dem Jahrhun­dert­hoch­was­ser 1983 wurde der Bau eines Hochwas­ser­sperr­tors in Angriff genommen und bis 1987 fertig gestellt. In den Folge­jah­ren ist vor allem der Bau der Ro-Ro-Container-Verla­de­sta­tion erwäh­nens­wert.

Gebäude (Auswahl):

Verwal­tungs- und Dienst­wohn­ge­bäude
(1899 - 1901)
Architekt: August Stürzen­acker
Dieses Büro- und Wohnhaus des Hafen­di­rek­tors und seiner Angestell­ten fällt durch das vielglie­drige Erschei­nungs­bild mit angefügten Treppen­häu­sern, Erkern, Giebeln etc. auf. Unter­stützt durch den Stilmix aus romani­schen, gotischen, Renaissance- und Jugendstil-Elementen entsteht der Eindruck eines über die Jahre gewach­se­nen Gebäudes. Dennoch wird der reprä­sen­ta­tive Charakter im Typus von gründer­zeit­li­chen Fabri­kan­ten­vil­len betont.

Werfthalle I


Werfthalle I (1900 - 1901)
Architekt: August Stürzen­acker
Die gesamte Gliederung des Gebäudes ist seiner Funktion entspre­chend schlicht. Nur die östliche Fassade, zur Stadt gerichtet, ist durch das Granit-Portal und die Säulen in den Fenstern aufwen­di­ger gestaltet. Die Gebäu­de­e­cken waren jedoch nicht nur wie heute durch Blendar­ka­den und Ornament­fries hervor­ge­ho­ben, sondern ursprüng­lich befand sich auf jeder Ecke ein kleines Pyrami­den­dach. Auf der Ostseite waren Zoll- und städtische Verwal­tungs­räume und im Westen die Lager- und Umschlagräume unter­ge­bracht sowie die Geschäfts­zim­mer der Eisenbahn und Privat­ge­sell­schaf­ten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hafen­sei­tig die Beton­pfei­ler für die Kranschie­ne angefügt.

Getreidelagerhaus


Getrei­de­la­ger­haus (1901 - 1903)
Architekt: Hermann Walder (auch Moninger Brauhaus, Kriegs­straße 210, 212)
Das Getrei­de­la­ger­haus besteht aus zwei Teilen: im Osten befindet sich der Schütt­bo­den mit variablen Wänden zur Parzel­len­ein­tei­lung und im Westen das Silo. Mittig liegt das neunge­schos­sige Maschi­nen­haus mit Treppen­haus. Östlich vorge­la­gert findet sich das Verwal­tungs­ge­bäude. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Siloteil nach oben hin erweitert, damit ist das Gebäude heute nicht mehr symme­trisch.

Werfthalle III (1911/12)
Ernst Henrich (städ­ti­scher Architekt)
Ursprüng­lich wurde dieser eher schlichte, dreige­schos­si­ge Sandstein­bau an der östlichen Seite jeweils nördlich und südlich von einem Mansar­den­gie­bel überragt. Dadurch waren die stirn­sei­ti­gen Verwal­tungs­räume gegenüber den Lager­ab­tei­lun­gen optisch hervor­ge­ho­ben.

Malzkaffee-Fabrik


Kathreiner Malzkaffee-Fabrik (1912/1913)
Alfred Plöttner (Mann­hei­mer Architekt)
Ende des 19. Jahrhun­derts durch die Lehre von Pfarrer Sebastian Kneipp inspiriert, entwi­ckelte der kleine Münchner Lebens­mit­tel­be­trieb Franz Kathreiner das beliebte Volks­ge­tränk. Die Gebäu­de­kon­zep­tion war in allen Kathrei­ner­fa­bri­ken ähnlich: mehrere Flügel­bau­ten mit mindestens vier Geschossen, da der Produk­ti­ons­ab­lauf die archi­tek­to­ni­sche Gestalt mitbe­stimmte. Der gegen­über­lie­gen­de Getrei­de­spei­cher war sehr zweckmäßig. Es bestand zwischen beiden Gebäuden bis in die 1960er Jahre eine Saug- und Druck­för­der­an­lage, von der heute noch ein Rohr an dem Getrei­de­spei­cher zeugt. Die Fabrik wurde nach dem Krieg bis 1992 stark umgebaut und von Nestlé aufgekauft. Bis 2001 wurde hier noch fabriziert, heute beherbergt das zum größten Teil abgebro­chene Gebäude verschie­dene Verwal­tungs­bü­ros.



Text: Nina Rind, ArtRegioTours