Karlsruhe: Karlsruher Porträts
Heinrich Hübsch: Karlsruher Baumeister
(do) "Jedenfalls bitte ich Sie, meine (gewiß für das
Publicum unintereßanten) personalia möglichst kurz zu
behandeln, und besonders von meiner früheren Jugend weiter
nichts zu sagen, als etwa daß ich 1795 in Weinheim an der
Bergstraße geboren, und nachdem ich mir auf der
Universität Heidelberg die zur Architectur erforderl.
Vorkenntniße erworben hatte, ins Atelier Weinbrenners
1815 eingetreten bin." Mit diesen dürren Worten beschied
Heinrich Hübsch 1839 einen Fachautor. In der Schweiz galt
er damals bereits als "Hauptreformer deutscher
Baukunst". Doch von seinen Landsleuten wurde der Mann,
der als Badens höchster Baubeamter großen Einfluß auf die
Bautätigkeit im gesamten Land ausübte, trotz vieler
Ehrungen später äußerst kritisch beurteilt. Die Badischen
Biographien von 1881 messen seinem Werk "nur bedingten
Werth" bei.
An keiner Stätte seines Lebens und Wirkens wurde des 100.
Todestages von Heinrich Hübsch gedacht, der am 3. April
1863 einem langwierigen Leberleiden erlegen war. Nicht
zuletzt durch die Ausstellung des Karlsruher
Stadtarchivs und des Instituts für Baugeschichte der
Universität im Jahr 1983 hat man die Bedeutung seiner
eigenwilligen Baukunst und sein Schaffen als
wegweisender Architekturtheoretiker
wiederentdeckt.
Heinrich Hübsch kam am 8. Februar 1795 als ältestes von
neun Kindern einer alten kaiserlichen
Posthalterfamilie zur Welt. Mit 22 Jahren trat der
Student seinen ersten Italienaufenthalt an, dem viele
weitere folgen sollten. In Rom und auf einer
Griechenlandreise erhielt der junge Architekt Kenntnisse
und Eindrücke, die sein Lebenswerk nachhaltig
beeinflussten. 1820 ließ sich Hübsch von Friedrich
Weinbrenner examinieren, der ihn als "Bau-Candidat"
empfahl. Aber erst 1824 wurde Hübsch in Frankfurt mit
ersten Bauaufgaben betraut. 1827 gelangte er dann doch
in den badischen Staatsdienst, wurde Weinbrenners
Nachfolger und leitete auch die Baufachschule am
Polytechnikum Karlsruhe.
Der Mutter, einer lutherischen Pfarrerstochter,
zuliebe, wartete Hübsch lange, ehe er, seiner auf den
Reisen und in der Ehe mit einer Katholikin gewonnenen
Überzeugung entsprechend, konvertierte. "Ich - meines
Theils - sehe aber den Kirchenbau des Architecten an,
daß mir der Entwurf zu der geringsten Dorf-Kirche mehr
Freude macht, als derjenige zu dem noch so großen Hause
eines luxuriösen Privat-Mannes", schrieb er 1838, ein Jahr
nach der Einweihung der Bulacher Kirche St. Cyriakus,
einem seiner schönsten Bauwerke. Oekumenisches
Verständnis für religiöse Eigenart beweisen zahlreiche
evangelische und katholische Kirchen in ganz
Baden.
Viele seiner Schöpfungen sind heute zerstört, so das
Hoftheater, dessen Ruine nach dem Krieg dem Neubau des
Bundesverfassungsgerichts weichen musste. Zeugnis von
seinem Können legen in Karlsruhe unter anderem das
Regierungspräsidium, die Kunsthalle, die Orangerie und
die Universität ab.
Heinrich Hübsch mit 42 Jahren nach einer Zeichnung von Carl Sandhas. Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 1262
