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Karlsruhe: Karlsruher Porträts

Karl Joseph Berckmüller: Architekt und Oberbaurat

(cal) Sein letztes und bedeu­tends­tes Werk nannte er poetisch "meinen Schwa­nen­ge­sang". Mit dieser Liebes­er­klä­rung hatte Karl Joseph Berck­mül­ler den Fried­richs­platz und das heutige Natur­kun­de­mu­seum gemeint. Über zwölf Jahre widmete sich der Oberbaurat dem reprä­sen­ta­ti­ven Ensemble. Im italie­ni­schen Renaissance­stil gehalten, sollte das neue Sammlungs­ge­bäu­de als zentrales Museum endlich die Hof- und Landes­bi­blio­thek, das Münz- und Natura­li­en­ka­bi­nett sowie die bedeu­ten­den antiken und die völker­kund­li­chen Schätze der badischen Großher­zöge zusammen führen. Damit blieb der am 1. Januar 1800 in der Fächer­stadt geborene Sohn eines städti­schen Baumeis­ters der Nachwelt als einer der begabten Zöglinge Friedrich Weinbren­ners in Erinnerung.


Nach dem Besuch des Lyzeums besuchte Berck­mül­ler, den es wie seine Vorfahren zur Baukunst zog, von 1817 bis 1822 die Archi­tek­tur­schule Weinbren­ners. Als heraus­ra­gen­der Schüler durfte er 1821 den großen Archi­tek­ten auf einer Reise nach Düsseldorf und Holland begleiten. Danach führten ihn Reisen durch Deutsch­land und Österreich. Längere Zeit hielt er sich außerdem in Paris und London auf. Anschlie­ßend folgte er dem Vorbild Weinbren­ners und studierte vor Ort die klassi­schen Werke italie­ni­scher Archi­tek­ten. Nach seiner Rückkehr legte er 1829 mit hervor­ra­gen­den Noten die Staats­prü­fung für Bauprak­ti­kan­ten ab.

Im selben Jahr heiratete er Karoline, die Tochter eines Fabri­kan­ten aus Sankt Blasien. Sein Schwie­ger­va­ter gewann ihn, sich auch für seine Unter­neh­men, eine Spinnerei und eine Gewehr­fa­brik, zu engagieren. Trotzdem blieb Berck­mül­ler seiner eigent­li­chen Profession treu. Er machte Entwürfe für den Hochaltar der Katho­li­schen Stadt­kir­che Sankt Stephan und entwarf den unteren Teil des Hebel­denk­mals im Schloss­gar­ten. Dies wohl auch in Erinnerung an seine Lyceums­zeit, während der Johann Peter Hebel Direktor der Schule gewesen war. Auch die Pläne für den Wieder­auf­bau der ausge­brann­ten Bonndor­fer Kirche stammten von ihm.

Nach dem Zusam­men­bruch der Firma des Schwie­ger­va­ters trat er wieder in den Staats­dienst ein, wo er rasch Karriere machte. 1853 wurde er zum Baurat, 1844 zum Bezirks­bau­meis­ter und schließ­lich 1862 zum Oberbaurat ernannt. Vielfach auch zu Hofdiens­ten heran­ge­zo­gen - etwa bei der bautech­ni­schen Überwa­chung der Masken­bälle im Theater - war er unter anderem für die Bauin­spek­tion der Hochbauten entlang der Eisen­bahn­stre­cken verant­wort­lich. Zu seinen Projekten zählte beispiels­weise auch der Badische Bahnhof in Basel. Am 6. April 1879 ist Berck­mül­ler an einem Blasen­lei­den gestorben.

 

Karl Joseph Berckmüller (1800 - 1879)

Karl Joseph Berckmüller (1800 - 1879)