Karlsruhe: Kultur
Karlsruhe: Ort der Vielfalt
Dass Karlsruhe ein Ort der Vielfalt ist, ergibt sich bereits aus der Stadtgeschichte und der Stadtstruktur sowie aus der Lage am Oberrhein, einem der Brennpunkte deutscher und europäischer Geschichte und Schnittstelle der Völker und Kulturen. Karlsruhe liegt nahe der deutsch-französischen Grenze und ist ehemalige Hauptstadt des auf vielfältigen Wurzeln beruhenden deutschen Mittelstaates Baden. Die Stadtgründung Karlsruhes im Jahre 1715 erfolgte mit einem Privilegienbrief, der Menschen aller Länder und (christlichen und der jüdischen) Religionen einlud, sich hier bei vollen Bürgerrechten niederzulassen. Karlsruhe war damit von Anfang an eine junge und weltoffene Stadt und ist es bis heute. Daran haben auch die großen, überwiegend technisch ausgerichteten Hochschulen mit Studierenden aus aller Welt ihren Anteil. Die badische Verfassung von 1818, das erste eigenständige Parlamentsgebäude in Deutschland von 1822 sowie die badische Revolution von 1848/49 sind Meilensteine der deutschen Demokratiegeschichte.
Als Sitz von Bundesverfassungsgericht, Bundesgerichtshof und Bundesanwaltschaft versteht sich Karlsruhe als Residenz des Rechts und stellt Recht und Demokratie in den Fokus seiner gesellschaftlichen und kulturellen Projekte. Erwähnt seien nur die „Karlsruher Verfassungsgespräche“ von Stadt und BVG, die „Langen Nächte des Rechts“, die Initiative „ Europäischer Stadtbrief“, der „ Platz der Grundrechte“ von Jochen Gerz, die Kampagne „ Mit Recht. Karlsruhe“, die „ Karlsruher Plattform – Justice and Human Values in Europe“ und das „Rechtshistorische Museum“ im BGH. Die vielfältigen Veranstaltungen zur Revolution 1848/49, die „Erinnerungsstätte Ständehaus“ und das Projekt „Straße der Demokratie“ dienen der Erinnerung und der Stärkung der Demokratie. Zum 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte am 10.12.2008 fand eine Reihe von Veranstaltungen vieler zivilgesellschaftlicher Organisationen und Künstler mit Unterstützung durch die Stadt statt und wurde eine Resolution des Karlsruher Gemeinderates verabschiedet. 2009 wird es eine Ausstellung zum Thema „Wahlen“ und Veranstaltungen zum 60jährigen Bestehen der Bundesrepublik und zu 20 Jahre Deutsche Einheit geben. In Karlsruhe gibt es viele engagierte Menschenrechtsgruppen, die sich teilweise im „Menschenrechtszentrum“ unter einem Dach zusammengefunden haben.
Karlsruhe ist eine bunte und interkulturelle Stadt. Rund jeder vierte Einwohner hat einen Migrationshintergrund. Die Hauptmigrantenguppen kamen aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien und der ehemaligen Sowjetunion. Auch wenn Karlsruhe keine multikulturelle Insel der Seligen ist, ist eine Ghettobildung nicht vorhanden. 2008 hat sich Karlsruhe unter großer Beteiligung der gesellschaftlichen Vereinigungen und der Bürgerschaft ein Integrationskonzept gegeben. Zum guten Miteinander in Karlsruhe tragen das „Internationale Begegnungszentrum“, das jährliche „ Fest der Völkerverständigung“, viele Migrantenvereine und Deutsch-Ausländische Gesellschaften mit großem Angebot nach Innen und Außen und engagierte Migranten- und Flüchtlingshilfsvereine bei. Auch dem interreligiösen Dialog gelten verstärkte Bemühungen. Für das Jahr 2009 erarbeitet das stadtgeschichtliche Museum eine Ausstellung über Migranten in Karlsruhe. Das zweisprachige, thematisch international ausgerichtete Kulturfestival „ Frauenperspektiven“ sowie das „Centre Culturel Franco-Allemand“ geben der Sprache des Nachbarn ein besonderes Gewicht. In der grenzüberschreitenden Organisation PAMINA arbeiten neben der Region Karlsruhe (Mittlerer Oberrhein) auch die Regionen Südpfalz und das Nordelsass gut zusammen und leben die europäische Idee. Daneben sorgen auch viele Pendler aus dem Nordelsass für französische Akzente.
Das Festival "Europäische Kulturtage", veranstaltet von der Stadt Karlsruhe und dem Badischen Staatstheater, widmet sich für Europa interessanten Fragestellungen oder wichtigen Regionen/Städten, so zuletzt 2004 Istanbul, 2006 Moskau und 2008 Rom. Im Jahr 2010 werden die Städte Budapest und Pécs im Mittelpunkt stehen. Durch die differenzierte, vielfältige und spartenübergreifende Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema sind die Europäischen Kulturtage auch für Migrantinnen und Migranten besonders interessant und beleuchten die Bedeutung der Kultur für die Integration und das Zusammenwachsen/-halten einer Gesellschaft. Zahlreiche Gastspiele aus den vorgestellten Städten/Regionen sowie Koproduktionen mit den örtlichen Kultureinrichtungen bereichern zudem das Programm und tragen auf diese Weise zum kulturellen Dialog bei. Migrantinnen und Migranten gehören daher regelmäßig zur Zielgruppe der Festival-Besucher, die durch spezielle mehrsprachige PR-Aktionen und in Kooperation mit den jeweiligen Auslandskulturvereinen und -gesellschaften auf die Europäischen Kulturtage aufmerksam gemacht werden.
Karlsruhe pflegt gute und lebendige Städtepartnerschaften mit Nancy (F), Nottingham (GB), Halle (bereits zu DDR-Zeiten), Temeswar (Rumänien) und Krasnodar (Russland). Zu weiteren Städten und Regionen bestehen Beziehungen, die nicht nur von der Stadtspitze, sondern von breiten Bevölkerungskreisen getragen und gestaltet werden. Zahlreiche Partnerschaftsinitiativen mit Entwicklungsländern und politische und kulturelle Initiativen bemühen sich, die Lage der Menschen in den Entwicklungsländern zu verbessern und hier das Bewusstsein und das Engagement zu stärken. Die Stadt Karlsruhe hat die Milleniumserklärung der UN unterzeichnet und ist bestrebt, sie mit Aktionen der Stadt und mit bürgerschaftlichem Engagement mit Leben zu erfüllen.
Im Jahr 2000 verabschiedete der Gemeinderat die Resolution „Karlsruhe zeigt Verantwortung. Für Mitmenschlichkeit und Toleranz, gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt“. Im Zuge der Auseinandersetzungen der Stadtverwaltung und breiter gesellschaftlicher Gruppen gegen die geplante Anmietung einer NPD-Geschäftsstelle mit „kulturellem Zentrum“ im Karlsruher Stadtteil Durlach kam es zu vielfältigen Aktivitäten gegen den Rechtsextremismus und die Anmietung konnte erfolgreich verhindert werden. Unter der Bezeichnung „Karlsruhe zeigt Flagge gegen Rechts“ bekannte sich Karlsruhe gegen extremistisches Gedankengut und machte deutlich, dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit nicht geduldet werden. Im Juni 2008 kam es zu einer großen Veranstaltung über „Strategien und Methoden des Rechtsextremismus“ mit begleitendem Kulturprogramm. In Weiterentwicklung des Projekts zeigte Karlsruhe am 10.12.2008 „Flagge für die Menschenrechte“. Auch im Jahr 2009 wird das Projekt unter breiter Beteiligung der Ämter der Stadt Karlsruhe und breiter gesellschaftlicher Kreise fortgesetzt werden. Seit 2004 arbeitet Karlsruhe in der Internationalen Städtekoalition gegen Rassismus mit und ist seit 2007 förmliches Mitglied.
Auch die Erinnerung an vergangene Untaten wird in Karlsruhe von Seiten der Stadt wie von vielen gesellschaftlichen Gruppen und Organisationen und in den Schulen intensiv betrieben – immer auch mit dem Blick darauf, was das historische Unrecht für Jetzt und die Zukunft bedeuten kann und muss. So richten die jährlichen Karlsruher Veranstaltungen zum Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar den Blick neben der Erinnerung an den millionenfachen Mord an den europäischen Juden auch auf vergessenere, verdrängtere Opfergruppen. Am 9. November erinnert jährlich eine Gedenkveranstaltung an den Jahrestag der Reichspogromnacht. Auch die Pflege des Deportiertenfriedhofes in Gurs und die Erinnerung an die Deportation der badischen Juden im Jahr 1940 liegt Karlsruhe am Herzen. Mit dem „ Gedenkbuch für die Karlsruher Juden“ geht sie neue Wege, indem sie Bürger und insbesondere auch Schulprojekte Opferbiographien recherchieren und schreiben lässt. Auch das Gedenken an von den Nazis ermordete demokratische Politiker und Mitglieder des Widerstandes wird durch Stadt und politische und gesellschaftliche Gruppen wachgehalten.
Überlebende ehemalige Karlsruher Juden und hier im 3. Reich zur Zwangsarbeit gezwungene Menschen wurden in den vergangenen Jahren von der Stadt eingeladen.



