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Karlsruhe: Kultur

Platz der Grundrechte

Foto: Platz der Grundrechte - 28.09.2005 / Foto: Monika Müller-Gmelin

Foto: Platz der Grundrechte - 28.09.2005 / Foto: Monika Müller-Gmelin



Konzept

Mit einem ungewöhn­li­chen Kunstwerk unter­streicht die Stadt Karlsruhe ihre Bedeutung als deutsche "Haupt­stadt des Rechts": Am 2. Oktober 2005 wurde der "Platz der Grund­rech­te" eingeweiht, ein Kunstwerk von Jochen Gerz für den öffent­li­chen Raum, das unter Betei­li­gung von Rechtspro­mi­nenz, Politikern und der Bevöl­ke­rung in der Stadt der höchsten deutschen Gerichte entsteht. Der "Platz der Grund­rech­te" - ursprüng­lich ein Geschenk zum 50-jährigen Bestehen des Bundes­ver­fas­sungs­ge­richts - soll ein sperriges Thema erlebbar machen: Was bedeuten Recht und Gerech­tig­keit für den Einzelnen, was für unsere Demokra­tie? Die direkte Parti­zi­pa­tion und Mitau­to­ren­schaft der Öffent­lich­keit sind ein wesent­li­ches Merkmal der Arbeiten von Jochen Gerz. Er lädt die Nutzer des öffent­li­chen Raums ein, diesen mit ihren Stimmen und Beiträgen als Kunst neu zu formu­lie­ren und so reale Demokratie herzu­stel­len.


Gerz hat 48 prägnante Aussagen zu Recht und Gerech­tig­keit aus Interviews zusam­men­ge­stellt. Der Künstler konfron­tiert 24 Aussagen von Juristen, Wissen­schaft­lern und Rechts­ex­per­ten mit ebenso vielen Statements von Personen, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind oder bisher keine einschnei­dende Erfahrung mit dem Recht gemacht haben. Indem Gerz jeweils eine Antwort der befragten Gruppen auf die Vorder- und Rückseite eines Straßen­schil­des emailliert, stoßen zwei Ansichten zum Recht direkt aufein­an­der: "Die beiden Seiten könnten sich nicht näher sein, doch zweifel­los sprechen sie Rücken an Rücken." (Gerz) So entstehen spannende, manchmal auch wider­sprüch­li­che Konfron­ta­tio­nen und Dialoge. Nüchterne Feststel­lun­gen stehen neben emotio­na­len Ausrufen, in denen sich höchst subjektive Erfah­run­gen mit Recht und Unrecht wider­spie­geln.


Zu den promi­nen­ten Personen, die Gerz befragte, gehören etwa der Präsident des Bundes­ver­fas­sungs­ge­richts Hans-Jürgen Papier, seine Vorgän­ge­rin und jetzige Präsi­den­tin des Goethe-Instituts Jutta Limbach oder der Philosoph Peter Sloterdijk. Aus dieser Gruppe stammen Aussagen wie "Der Mensch kann nicht vom Recht alles erwarten. Wir haben nicht den totalen Staat oder die totale Herrschaft des Rechts." Aus der Gegen­gruppe kommen zum Teil provo­zie­rende Sätze wie "Das Recht gibt es nur auf dem Papier" oder "Die Gesetze schützen die Anderen vor mir und mich vor mir selbst."


Das Kunstwerk ist zentral und dezentral zugleich angelegt. Der zentrale Ort befindet sich zwischen dem Karls­ru­her Zirkel und Schloss­platz, auf der histo­ri­schen Achse der badischen Metropole. Dieser Ort wurde auf Vorschlag von Herrn Oberbür­ger­meis­ter Heinz Fenrich vom Karls­ru­her Gemein­de­rat bestimmt und erhält den Namen "Platz der Grund­rech­te". Hier sind 24 Metall­schil­der montiert. Die gleiche Zahl Schilder sind als zweite Version des "Platz der Grund­rech­te" an ebenso vielen Orten der Stadt aufge­stellt. Diese 24 dezen­tra­len Standorte hat die Karlsruher Bevöl­ke­rung in drei Bürger­fo­ren bestimmt. In der Regel stehen die Standorte für ein Ereignis aus der städti­schen Geschichte, das unter­schied­li­che Aspekte des Themas Recht beleuchtet.


Ein Schild steht an der Stelle, an der 1977 General­bun­des­an­walt Siegfried Buback von Mitglie­dern der RAF erschossen wurde. Eine andere Tafel erinnert am früheren Ständehaus, dem Sitz des ersten deutschen Parlaments, an die demokra­ti­schen Ursprünge unseres Staates. Aber auch ausge­fal­lene, vergessene Orte werden in Erinnerung gerufen, so der Platz, an dem die letzte öffent­li­che Hinrich­tung in Karlsruhe stattfand. Für die Kreati­vi­tät der Karlsruher und ihre umfassende Auslegung des Rechts­be­griffs zeugen ein Standort für Wehrdienst­ver­wei­ge­rer nahe des Haupt­bahn­hofs und einer für die 68er-Bewegung in Karlsruhe-Durlach.


"Die Stadt Karlsruhe, Sitz der wichtigs­ten juris­ti­schen Instanzen in Deutsch­land, hat mit dem Auftrag an Jochen Gerz eine Besinnung auf ihre Rolle als Hauptstadt des Rechts einge­lei­tet", bekundet Oberbür­ger­meis­ter Heinz Fenrich. "In unserer Bewerbung als Kultur­haupt­stadt Europas 2010 haben wir das Recht und seine kultu­rel­le Dimension im Gemein­we­sen thema­ti­siert. Dieser Prozess findet im 'Platz der Grund­rech­te' eine erste und bleibende Form, doch kein Ende. Karlsruhe wird weitere Anstöße zur Diskussion über das Recht als Grundlage einer Gesell­schaft und damit für die derzeit so wichtige Frage der Werte-gemein­schaft des zusam­men­wach­sen­den Europa geben."

 

Bilder

Platz der Grundrechte


Platz der Grundrechte


PLatz der Grundrechte nachts


Grundrechte-Tafeln


 

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Biografie Jochen Gerz